Röm 15, 13 Gott, die Quelle aller Hoffnung, erfülle euch in eurem Vertrauen mit aller Freude und Frieden, dass ihr von Hoffnung überfließt durch das Wirken der heiligen Geistkraft.

Hoffnung ist eine sehr wichtige Kraft der Resilienz, denn Hoffnung ist auf die Zukunft ausgerichtet und darin auch Gegenspieler von in die Zukunft gerichteten Sorgen. Möglicherweise stammt das Wort Hoffen (engl. Hope) von «Hüpfen» ab, somit ist ein Hoffender ein Hüpfling, ein Mensch, der Hindernisse zu überhüpfen vermag. In der ressourcenorientierten Seelsorge gibt es denn auch einen Fragetypus, der sich Kängurufrage nennt, in welcher gefragt wird, wie es sein wird, wenn dieses Problem gelöst sein wird. So werden in unserem Unterbewusstsein bereits Lösungen vorbereitet und wir werden angeregt, uns eine Zukunft ohne dieses Problem vorzustellen und anzupeilen.

Hoffnung ist nicht dasselbe wie Illusion. Die Illusion sagt: es kommt sowieso gut. Die Illusion verweigert sich daher der Realität und kann sich nicht anpassen. Die Illusion hält an ihrer Vorstellung fest. Die Verzweiflung demgegenüber würde sagen: es kommt sowieso schlecht. Doch die Hoffnung im Unterschied zur Illusion und Verzweiflung ist veränderlich und passt sich an. Sie rechnet mit der Ungewissheit, sie sagt: ich weiss nicht, wie es herauskommt, aber ich bin zuversichtlich, dass ich die Kraft habe, mit dem, was kommt, umzugehen. Vaclav Havel hat mein Lieblingszitat zur Hoffnung geschrieben: «Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.» Er hätte allen Grund zur Verzweiflung gehabt, als der Prager Frühling von Panzern niedergewalzt wurde und er im Gefängnis landete.

Gott als Quelle der Hoffnung heisst auch, auf den Gott vertrauen, der auf uns zukommt. Gott ist diese Kraft der Zukunft. Wenn ich in die Zukunft gehe, dann gehe ich damit immer auf Gott zu und Gott auf mich! Und wie oben beschrieben ganz unabhängig davon, wie diese Zukunft aussieht. Hoffnung ist keine Garantie dafür, verschont zu bleiben, sondern es ist diese tiefe Gewissheit, getrost in die Zukunft gehen zu können, weil Gott nicht nur mitgeht, sondern mir immer auch entgegenkommt. Darüber hinaus wird Gott als Quelle aller Hoffnung in mir drin bezeichnet, durch seine in mir wohnende Geistkraft. Die Verbindung zu ihr spüren wir vielleicht nicht immer gleichermassen, auch wenn sie untergründig da ist. Und ja, auch ich habe etliche dunkle Momente erlebt in der Pandemie und vielleicht werden weitere folgen, doch das Wissen, dass Gottes Geistkraft da ist, hat getragen.

Hoffende fragen: Wie wird die Welt sein nach der Pandemie? Das wissen wir alle nicht, die Langzeitwirkungen werden uns weltweit wohl noch lange beschäftigen, sowohl die materiellen Folgen als auch die gesundheitlichen und die psychischen. Doch die Frage greift tiefer: welche Welt wünschen wir uns , wenn die Pandemie Geschichte sein wird? Und wie können wir bereits jetzt darauf hinarbeiten? Jesus hat vom Reich Gottes gesprochen und diesem Reich alles untergeordnet. «Mt 6, 31 So hört nun auf, euch zu sorgen und zu fragen: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Womit sollen wir uns kleiden? . . .33 Sucht hingegen zuerst das Reich Gottes, und dies alles wird euch geschenkt werden.»

Da würde ich Jesus gerne antworten: wenn das bloss immer so einfach wäre. Wie könnte ich einen solchen Satz einem Beizer oder einer Künstlerin sagen, die um ihre wirtschaftliche Existenz bangen? Wie kann ich ihn der arbeitslosen, hungernden Wanderarbeiterin sagen? Doch offensichtlich gibt es da etwas, das noch tiefer reicht als allein die Hoffnung auf die Impfungen und die Fortschritte der Wissenschaft, die ich ja selbst auch habe. Es ist die Hoffnung auf die Zukunft Gottes. Und ja, da träume ich manchmal tatsächlich, wie die Welt aussehen könnte, in der Gott und sein Reich mitten unter uns spürbar ist, sein Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens. Und ich spüre die Bereitschaft, das Meine dazu beizutragen, ihm entgegen zu gehen. Träumen Sie mit?