«Mit dir, mein Gott, kann ich über Mauern springen.» Ps 18, 30

 

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Mit Gott Grenzen überwinden, geht das? Oder ist es nicht vielmehr umgekehrt, dass Religion uns Grenzen auferlegt? Ein wenig ähnlich wie in der Pandemie: das darfst du nicht, jenes darfst du nicht. Gott als allmächtiger Polizist, der vom Himmel her wacht, ob wir auch ja alles richtig machen. Und wenn nicht, dann gibt es vielleicht sogar eine himmlische Strafe.

Ich glaube, solche Bilder von Gott und von Religion sind tief in uns verankert. Ich habe selbst einmal Religion so gelebt und erlebt, dass da sehr enge Grenzen dessen gezogen wurden, was man durfte und was nicht, was verboten war und was erlaubt.

Doch später, als ich älter wurde, habe ich dazugelernt. Und da habe ich gelernt, dass Gott kein allmächtiger, strafender Polizist ist, sondern allumfassende Liebe. Und Liebe ist frei und macht frei, sie befreit. Dieses Gefühl kommt dem nahe, wenn man verliebt ist, für mich sehr schön ausgedrückt im untenstehenden Bild von Sieger Köder.Und manchmal tun zwei Verliebte dann auch ein paar verrückte Dinge, weil sie sich so frei und grenzenlos fühlen.

 

Jesus war auch so ein Verrückter, ein Liebestrunkener in Gott. Anstatt die Schreinerei seines Vaters zu übernehmen, wie es sich gehört hätte als Ältester, zog er los, lebte von der Hand in den Mund, predigte, heilte Menschen und war mit teilweise zweifelhaften Freunden zusammen. Die Frommen schimpften ihn einen Fresser und Weinsäufer. Die Liebe zu Gott machte ihn frei von menschlichen Zwängen und Normen, frei von Konventionen. Heute würde man sagen, er war ein Aussteiger, vielleicht sogar ein Rebell.

Und diese Art von Freiheit, die frei ist, weil sie sich bedingungslos geliebt weiss von Gott, die mit Gott über die Mauern der eigenen Begrenzungen springt, ist eine Kraft, die befreit wie nichts sonst. Sie befreit aus Angst, Sorge, Not, und bringt uns immer wieder mit den Quellen des Vertrauens, der Hoffnung und der Liebe in Berührung. Letztere wurde vom Liebesnarr als das grösste Gebot bezeichnet. Die Liebe setzt mir freiwillige Grenzen, die ich gerne einhalte, denn da will ich nichts tun, was einem anderen Menschen oder mir selbst schadet. Diese Kraft lässt uns auch über Mauern zum Nächsten springen. Sie lässt uns spüren, dass wir eine Menschheitsfamilie sind, betroffen von dieser Not, und dass die Lösung nur gemeinschaftlich gefunden werden kann.

Lasst uns also gemeinsam mutig mit Gott über die Mauern springen, wir landen immer in der allumfassenden Liebe Gottes!