Vitamine für die Seele


Liebe Leserin
Lieber Leser

In diesen herausfordernden Zeiten brauchen wir auch seelische Nahrung die uns gut tut. Mit den "Vitaminen für die Seele" wollen wir Ihnen in regelmässigen Abständen solche Nahrung bereitstellen.

Sie dürfen sich jederzeit für Seelsorge, für andere Anliegen, oder konkrete Hilfeleistungen an mich wenden.

 

Pfrn. Annette Spitzenberg

 

 

So liebe denn Adonaj, Gott für dich, mit Herz und Verstand, mit jedem Atemzug und mit aller Kraft.
Dtn 6, 5
 
Diese Worte sind Bestandteil des täglichen Glaubensbekenntnisgebets im Judentum, sie sind aber auch von Jesus zitiert worden, als er nach dem grössten Gebot gefragt wurde, verbunden mit dem Gebot der Nächstenliebe.
Gott lieben mit aller Kraft, mit der ganzen Seele, mit dem ganzen Wesen, mit jedem Atemzug. Im Judentum wird die Gottesliebe verbunden mit dem Halten der Gebote, sie erweist sich in der Praxis.
Doch wenn ich mich mit dem Atemzug verbinde, dann reicht die Liebe tiefer als menschliches Tun. Dann ist eine Wesensantwort gemeint, eine Haltung.
Zum einen kann ich Gott nur lieben, weil Gott selbst Liebe ist und diese Liebe bedingungslos ist. Mein Lieben ist Antwort auf Gottes Liebe.
Und zum andern hat der Atem zu tun mit allem Leben, welches um mich herum ist. Und in all diesem Leben kann ich Gott entdecken und lieben.
Ich spüre zurzeit eine wachsende Dankbarkeit für all das, was wieder möglich ist, wenn auch mit Einschränkungen: Freunde treffen, Essen gehen, Gottesdienste feiern (ich freue mich riesig, bald viele wieder zu sehen!), Kultur geniessen, Hausbesuche machen, etc. Vielleicht geht es auch Ihnen so, dass Sie Freude und Dankbarkeit wachsend spüren.
Gleichzeitig macht mich meine Dankbarkeit auch demütig, andere Menschen würden sich wünschen, nur schon wieder arbeiten zu können, um ihren täglichen Lebensunterhalt zu verdienen und nicht hungern zu müssen.
Dankbarkeit ist eine Fähigkeit, die auch unter widrigsten Umständen Kraft geben kann. Immer wieder sind mir in meiner Tätigkeit als Spitalseelsorgerin Patientinnen und Patienten begegnet, die eine eindrucksvolle Dankbarkeit ausgestrahlt haben, oft trotz schweren Diagnosen. Ein inneres Leuchten erfüllte diese Menschen.
Und da wurde mir sehr bewusst, dass Dankbarkeit nicht davon abhängt, wie meine Lebensumstände sich darbieten, sondern wie ich mich selbst zu ihnen stelle, ob ich das Glas halbvoll oder halbleer sehe. Und das ist zu einem Teil auch Veranlagung.
Doch man kann sie auch einüben.
Ich erinnere mich, was mir meine damalige Exerzitienleiterin vor vielen Jahren erzählte. Sie bekam einmal die Aufgabe, in einer sehr dunklen Zeit ihres Lebens für dreissig Dinge täglich zu danken, und wenn es nur für Selbstverständlichkeiten war wie fliessendes Wasser. Das tat sie und allmählich kehrte die Freude wieder in ihr Leben zurück.
Eine andere Möglichkeit, die Dankbarkeit einzuüben, ist ein kleines Ritual. Man kann in die Hosentasche oder Schürzentasche ein paar Kieselsteine oder getrocknete Bohnen legen. Jedes Mal, wenn einem etwas Schönes begegnet, kann man einen Kiesel oder eine Bohne nehmen, und sie in die andere Tasche stecken. Am Ende des Tages ist man vielleicht erstaunt, wie viel Schönes einem begegnet ist.
 
Bohnensorten

 

Rendez-Vous mit sich selbst
 
Viele Jahre ist es her, da hat mir eine Begleiterin meines Lebens folgenden Tipp gegeben: «Gönne dir jeden Tag eine Viertelstunde für dich selbst, in der du dich verwöhnst und dir selbst etwas Gutes tust. In dieser Viertelstunde bist du nur für dich da». Dieser Ratschlag erwies sich als richtungsweisend für mich. Zum einen war es mir bis anhin völlig fremd, mir selbst etwas zu gönnen (das ist vielleicht eine Krankheit, die in stärkerem Mass Frauen betrifft), und zum zweiten war ich es gewohnt, die Bedürfnisse anderer als wichtig anzuschauen, nicht meine eigenen. Es sich selbst wert zu sein, sich etwas Gutes zu tun führte aber nicht zu Egoismus und Selbstbezogenheit, sondern zu grösserer Selbstwertschätzung und der Fähigkeit, diese wiederum auch andern zukommen zu lassen.
Somit lade ich auch Sie ein, sich ein Rendez-Vous mit sich selbst zu gönnen und auszuprobieren, wie Sie sich selbst eine Viertelstunde lang verwöhnen und sich etwas Gutes tun können.
schritt um schritt
 
 
staunen
dass ich bin
 
fragen
nach dem sinn
 
suchen
tag für tag
 
vertrauen
was auch kommen mag
 
glauben
dass nicht vergeht
wer oder was
im dienst
der bedrängten steht
 
Urs Eigenmann
Du Christus, unser Bruder,
 
Heute wollen wir dir danken. Wir wollen dir danken, dass die Infektionszahlen zurückgegangen sind, hier in der Schweiz, aber auch in fast ganz Europa.
Viele Freiheiten haben wir dadurch zurückgewinnen können. Vieles ist wieder möglich, was vorher nicht der Fall war. Wir freuen uns! Wie schön das Leben ist! Wir wollen dir danken, dass grosse Disziplin dies möglich gemacht hat, verbunden mit einer umsichtigen und glaubwürdigen Politik und ebensolcher Kommunikation. Wir sind vom Schlimmsten verschont geblieben. Dafür danken wir dir von Herzen!
Andere jedoch sind es nicht. Die Ärmsten, die von einem Tag auf den anderen ihre Einkünfte verloren haben, sind bedroht von Hunger, Elend, gar von Tod.
Länder mit schwachen Gesundheitssystemen kämpfen immer noch mit hohen Infektionszahlen. Das Virus wütet an anderen Orten dieser Welt ungebremst.
Hilf uns, inmitten unserer Freude diese andere Not nicht zu vergessen, und uns daran zu erinnern, dass wir zu einem Leib gehören. Du Christus, hast gesagt, wenn ein Glied leidet, dann leiden alle anderen mit.
 
Amen