Vitamine für die Seele


Liebe Leserin
Lieber Leser

Jeder Mensch braucht ab und zu seelische Nahrung die gut tut. Mit den "Vitaminen für die Seele" wollen wir Ihnen, in losen Abständen, solche Nahrung bereitstellen. Wir wünschen Ihnen, Momente an denen Sie aus dem Altagstrott ausbrechen können und dabei diese Vitaminen tanken können.

Falls Sie das Bedürfnis für Seelsorge, für andere Anliegen, oder konkrete Hilfeleistungen haben, können Sie sich jederzeit an mich wenden.

Pfrn. Annette Spitzenberg

 

 

Heute lade ich Sie ein, bei sich selbst zu beginnen. Überlegen Sie sich, welches Ihre grösste Kraftquelle ist in dieser herausfordernden Zeit. Und bestimmt haben Sie auch schon früher Zeiten erlebt, in denen Sie Widrigkeiten meistern mussten. Was hat Ihnen geholfen? Wie hat es Ihnen geholfen? Wie haben Sie dies gemerkt? Gibt es Menschen in Ihrem Leben, die dazu beigetragen haben, dass Sie sich diese Kraftquelle haben zunutze machen können? Vielleicht sind es seelische Kräfte (zB Vertrauen, Liebe), vielleicht sind es spirituelle Quellen (zB Gebet), vielleicht ist es die Natur oder noch etwas ganz anderes.
Wenn Sie sich dessen bewusst sind, dann lade ich Sie ein, diese Ihre Kraftquelle mit jemandem oder mehreren Menschen zu teilen. Dies nicht in missionarischer Absicht, denn Menschen sind verschieden und was Ihnen Kraft gibt, muss nicht für die andere Person auch so sein. Es geht eher darum, gegenseitig Kraftquellen auszutauschen und zu erforschen. Vielleicht sagt die andere Person Ihnen auch, was ihr Kraft gegeben hat, fragen Sie sie. Und so können Sie einander bereichern. Und wer weiss, vielleicht sogar gemeinsam staunen über die Kraftquellen und die Fähigkeit, Schwieriges zu meistern.
Sich ausdrücken
 
Wir alle haben die Möglichkeit, uns irgendwie auszudrücken. Es gibt Menschen, die malen (meine schon lange verstorbene Grossmutter z.B.), es gibt Menschen, die musizieren, die schreiben, die tanzen, die stricken, nähen, basteln, werken, schnitzen, programmieren, erstellen gar humorvolle Videos, etc.
Ich lade Sie daher ein, sich irgendwie auszudrücken. Mir persönlich liegt das Schreiben besonders gut.
Vielleicht können Sie sogar etwas Neues ausprobieren, ganz kreativ werden und etwas tun, was Sie noch nie versucht haben. Ein neues Muster entwerfen beim Stricken bspw.
Oder Sie können sich in einen Bereich vorwagen, den Sie bislang noch nicht in Betracht gezogen haben, aber vielleicht heimlich geliebäugelt damit. Da kann man ganz spielerisch sein und ungezwungen, ohne Anspruch auf Perfektion. Und gerade das Spielerische kann in der jetzigen Zeit unglaublich guttun.

 

Dieser russische Winter
Als die russisch-finnische Grenze neu festgelegt wurde, erfuhr ein Bauer, dass die Grenze jetzt mitten durch sein Grundstück verlief. Er habe daher die Wahl, seinen Hof entweder nach Russland oder nach Finnland zu verlegen. Der Bauer versprach, ernsthaft darüber nachzudenken; nach einigen Wochen erklärte er, er wolle in Finnland leben. Eine Schar erboster Russen fiel über ihn her, um ihm die Vorteile der Zugehörigkeit zu Russland zu erklären.
Der Mann hörte geduldig zu und sagte schliesslich: «Ich stimme mit allem, was Sie sagen völlig überein. Tatsächlich war es schon immer mein Wunsch, bei Mütterchen Russland zu leben. Aber in meinem Alter bin ich einfach nicht mehr in der Lage, auch nur einen dieser russischen Winter durchzustehen.»
 
Was heisst: «so sehr?»
Ein Man sass an seiner philosophischen Doktorarbeit. Wie ernst er seine Studien nahm, wurde seiner Frau erst klar, als sie ihn eines Tages fragte: «Warum liebst du mich so sehr?» Da erwiderte er: «Wenn du «so sehr» sagst, beziehst du dich dann auf die Intensität, Tiefe, Häufigkeit, Qualität oder Dauer?»
Es wurde Frühling auf dem Trappistenfriedhof,
im grünen Friedhof mit frisch gemähtem Gras,
mit den eisernen Kreuzen in Reihen wie die Saat auf den Feldern,
wo der Kardinalvogel seine Geliebte ruft und die Geliebte dem Ruf ihres roten Geliebten antwortet.
Wo der Zaunkönig Zweige sammelt für sein Nest
und man das Rattern des gelben Traktors hört
jenseits der Landstrasse, hinter dem Zaun.
Jetzt seid ihr Phosphor, Stickstoff und Pottasche.
Und mit dem nächtlichen Regen, der Wurzeln auswäscht und Knospen öffnet, ernährt ihr die Pflanzen, wie ihr die Pflanzen gegessen habt, die vor dem Menschen waren und Pflanzen davor und Phosphor davor, Stickstoff und Pottasche.
Doch wenn der Kosmos zurückkehrt zum einstigen Wasserstoff - weil wir Wasserstoff sind und zu Wasserstoff werden – aufersteht ihr nicht allein, wie ihr begraben seid,
sondern in eurem Körper wird auferstehen die ganze Erde: der nächtliche Regen, das Nest des Zaunkönigs,
die schwarzweisse Holsteinkuh dort auf dem Hügel,
die Liebe des Kardinalvogels und der Traktor im Mai.
 
Ernesto Cardenal

 

Der Trost – nämlich die Heilige Geistkraft, die Gott in meinem Namen schicken wird – wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Ich hinterlasse euch Frieden, ich übergebe euch meinen Frieden. Joh 14, 26.27a
 

Gottes Heilige Geistkraft ist Trost. Sie ist Trost angesichts der Verabschiedung Jesu von seinen Freundinnen und Freunden. Trotz Auferstehung wird er nicht mehr wie früher mitten unter ihnen sein. Manche brauch(t)en Trost in der Coronazeit, wenn ein Abschied von einem geliebten Menschen zu betrauern ist. Angehörige, die ganz allein sterben mussten wegen der Besuchsverbote. Oder die Abschiedsfeiern im kleinsten Kreis, die Tatsache, dass einen niemand in den Arm nehmen kann.

Die Geistkraft Gottes kann uns nicht in den Arm nehmen, aber sie vermittelt uns Gottes Gegenwart. Sie lässt uns spüren, dass wir nicht vergessen sind. Sie lässt uns spüren, dass Christus, unser Freund und Bruder, immer da ist. Und das schenkt Frieden, tief in uns drin.

Und nun wächst die Freude auf Freiheiten, die zurückkommen, auf Begegnungen, die wieder möglich sind, und die Begeisterung darüber zeigt, was wir alle schmerzlich vermissten!