Vitamine für die Seele


Liebe Leserin
Lieber Leser

Jeder Mensch braucht ab und zu seelische Nahrung die gut tut. Mit den "Vitaminen für die Seele" wollen wir Ihnen, in losen Abständen, solche Nahrung bereitstellen. Wir wünschen Ihnen, Momente an denen Sie aus dem Altagstrott ausbrechen können und dabei diese Vitaminen tanken können.

Falls Sie das Bedürfnis für Seelsorge, für andere Anliegen, oder konkrete Hilfeleistungen haben, können Sie sich jederzeit an mich wenden.

Pfrn. Annette Spitzenberg

 

Jetzt
still sein können
dass keiner das Heilige störe
das Grosse im Raum
das uns
in unserer Verletzlichkeit
umfangen will
das Gold
das durch das Blau der Bäume fliegt
 
Jetzt
mit feinsten Netzen und Lichthänden
die zerbrechliche Wärme des Sommers
von aussen nach innen holen
und wieder einmal
Haus der Sonne sein
Urquell des Lächelns
aus dem alles Leben steigt
 
und wissen
dass jetzt das Flüstern gilt
das Flamme-sein und Herzstern
in kalter Zeit
 
Maryse Bodé

 

Wie soll er heissen?
 
Als es an der Zeit war, ihrem Erstgeborenen einen Namen zu geben, begann das Ehepaar zu streiten. Die Frau wollte ihn nach ihrem Vater nennen, der Mann bestand darauf, dass er den Namen seines Vaters trage. Schliesslich wandten sich die beiden an den Rabbi, damit er ihren Streit schlichte.
«Wie hiess dein Vater?», fragte der Rabbi den Mann.
«Abija»
«Und deiner?», fragte er die Frau.
«Abija»
«Wo liegt denn das Problem?», fragte der Rabbi verwirrt.
«Das ist so, Rabbi», sagte die Frau. «Mein Vater war ein Gelehrter, und sein Vater war ein Pferdedieb. Wie kann ich zulassen, dass mein Sohn nach einem Schurken benannt wird?».
Der Rabbi dachte ernsthaft über das Problem nach, denn das war in der Tat heikel. Er wollte nicht, dass die eine Partei das Gefühl hatte, gewonnen, oder die andere, verloren zu haben. Also sagte er schliesslich: «Ich schlage folgendes vor: Nennt den Jungen Abija. Dann wartet ab und seht, ob er ein Gelehrter oder ein Pferdedieb wird. Dann wisst ihr, nach wem ihr ihn benannt habt.»
Sehen
 
Heute lade ich Sie ein zu einer Seherfahrung. Wenn Sie in die Natur können, dann machen Sie diese Übung draussen. Wenn nicht, dann lade ich Sie ein, sich eine Ecke in Ihrer Wohnung auszuwählen, in der Ihnen wohl ist, oder auch ein Ausblick aus Fenster oder Balkon.
Bleiben Sie an einem Ort und schauen Sie sich um. Beobachten Sie ganz genau, was Sie alles sehen, in der Nähe und in der Ferne. Gerade wenn es ein vertrauter Ort ist, erlauben Sie sich, ihn zu anzusehen, als erblickten Sie ihn zum allerersten Mal in ihrem Leben. Spielen Sie dabei auch Mikroskop. Wenn Sie etwas besonders interessiert, dann gehen Sie ganz nahe hin und nehmen Sie jedes Detail wahr, das sich Ihnen zeigt, jede Farbnuance, jede Verästelung, jede Struktur, jede Form. Beobachten Sie auch die Veränderungen, falls Sie draussen sind oder mit Blick nach draussen: was sich alles bewegt, vorbeifliegt, -fährt, etc. Versuchen Sie auch, Unterschiede wahrzunehmen (zB jetzt im Frühling die verschiedenen Grüntöne. Wussten Sie, dass es Sprachen gibt aus dem Amazonas, die über 30 Bezeichnungen haben für Grüntöne?).
Gehen Sie sehend nach Hause oder in ihren Tag.

 

«Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie Dich behüten auf allen Deinen Wegen,
dass sie Dich auf den Händen tragen und Dein Fuss nicht an einen Stein stösst.»
Psalm 91,11

 Engel

 

Gott
Schick Deine leisen Boten
mit sanftem Flügelschlag
in das Toben der Welt
zu ruhen in ihrem Schatten
für einen Atemzug
Geborgenheit

 Hinrich C.G. Westphal

Dass wir immer wieder spüren, dass wir auch in dieser Zeit von guten Mächten wunderbar geborgen sind, gehalten, geleitet, getröstet, geführt, belebt, umgeben, beschützt, das wünsche ich Ihnen und mir selbst immer wieder. Und ich wünsche es an allen Orten dieser Welt, wo es wegen Corona oder auch ohne Corona finster ist.

Der tröstende Bibelvers und die Worte von Hinrich Westphal sind inspiriert von Verena Hubmann, Pfarrerin in Teufen

 

 

 

Hören
 
Heute lade ich Sie ein zu einer Hörerfahrung. Wenn Sie in die Natur können und gerne darin sind, können Sie diese Übung gerne draussen machen. Wenn nicht, dann lade ich Sie ein, sich Ihr Lieblingsmusikstück aus Ihrer Sammlung anzuhören, falls vorhanden (falls nicht, in sich drin können Sie es sich auch vorstellen), oder einfach untenstehende Übung drinnen zu machen.
Suchen Sie sich einen Platz in der Natur, in der Sie möglichst viele Geräusche derselben hören können. Schliessen Sie dann die Augen. Und lauschen Sie. Lauschen Sie darauf, was Sie alles hören (Vogelstimmen, Knacken der Zweige, Rauschen der Blätter oder des Regens, Kuhglocken, Autogeräusche etc). Hören Sie mit allen Sinnen und hören Sie sehr bewusst. Hören Sie besonders genau, wenn Sie kein Geräusch hören. Welchen Klang hat die Stille?
Lassen Sie daraus ein kleines Ohrkonzert entstehen.
Und wenn Sie nach Hause gehen, dann achten Sie weiterhin auf die Geräusche, die Sie wahrnehmen, solange Sie Freude daran haben.